Kennen Sie die Geschichte Ihres Hauses?

Familie Nomburg

Eupenstraße 1, 96450 Coburg

„Wer ist Georg Nomburg? In einer Zeit des allergrößten Wohnungselends gelang es dem eingewanderten Juden mit echt jüdischer Frechheit, in einem der schönsten Häuser Coburgs eine Wohnung zu finden.“

„Der Weckruf“ – später Coburger Nationalzeitung 1928

Die Familie Nomburg bestand aus Georg und Charlotte sowie ihren Söhnen Manfred und Harry. Georg stammte aus Mylacz/Ober-Mühlatschütz bei Breslau, Charlotte Heymann aus Braunschweig. 1921 heirateten sie und zogen nach Coburg, wo Georg die Firma Nomburg & Co., eine Herren- und Knabenkleiderfabrikation, aufbaute. Manfred wurde 1922 geboren, Harry 1923. Das Familienleben begann im Steinweg 17 und setzte sich später in der „Villa de Cuvry“ fort. Heute erinnern nur wenige Postkarten und Fotografien an dieses Haus. Sie zeigen ein weitläufiges Anwesen – ein Ort, der in der Erinnerung der Brüder mit Kinderspielen, Gartenwegen und frühen Glücksmomenten verbunden blieb. 1928 jedoch verließ die Familie Coburg, nachdem die Fabrik in Brand gesteckt und auch ihre Wohnräume angegriffen worden waren.

Die Coburger Familie Nomburg bei einem Osterbesuch 1930 in der Vestestadt: Das Bild zeigt die Kinder Manfred und Harry Nomburg (in den grauen Mänteln) und Mutter Charlotte in der Mitte. Foto: Leo Klein
Die Coburger Familie Nomburg bei einem Osterbesuch 1930 in der Vestestadt: Das Bild zeigt die Kinder Manfred und Harry Nomburg (in den grauen Mänteln) und Mutter Charlotte in der Mitte. Foto: Leo Klein

„Mein guter Bruder und ich, wir waren Coburger und mussten Coburg bereits vorzeitig verlassen, weil meinem Vater das Geschäft abgebrannt wurde. Und uns sind auch die Fensterscheiben in Pilgramsroth eingeschmissen worden. … Trotz alledem bin ich immer gern in Coburg gewesen.“

Harry Nomburg, 1988 im Coburger Rathaus

Nach dem Umzug nach Berlin schien das Leben zunächst ruhiger zu werden. Die Familie wohnte in Schöneberg, später in Wilmersdorf, und Georg baute die Firma erneut auf. Schule, Geschäftsleben und das kulturelle Leben der Stadt gaben Halt. Doch mit dem Erstarken der Nationalsozialisten verengte sich der Alltag Schritt für Schritt: erst subtile Ausgrenzungen, später offene Repressionen – bis hin zum Schulverbot für die Söhne.

Manfred Nomburg, Peter Weidenreich, Harry Nomburg in Berlin, 1946 © privat
Manfred Nomburg, Peter Weidenreich, Harry Nomburg in Berlin, 1946 © privat

„Ein Stein inmitten Glasscherben auf dem Teppich unseres Wohnzimmers ist eine der klarsten Erinnerungen meiner Kindheit im damals schon antisemitischen Coburg. Als dann auch die Herrenkleiderfabrik meines Vaters in Brand gesteckt wurde, beschlossen meine Eltern, diese Stadt zu verlassen und zogen 1928 nach Berlin. Hier war das Leben angenehm und das Angebot an Kultur enorm, und oft durfte ich für meine Eltern Theater-, Oper- oder Konzertkarten besorgen.“

Manfred Nomburg, 2018 in Tel Aviv

1935 gelang Manfred mit einem Jugend-Alija-Transport die Flucht nach Palästina. Er erreichte Haifa einen Tag vor der Reichspogromnacht, lernte dort Tischlerei und Bildhauerei und schloss sich später dem britischen Palestinaregiment an. Harry verließ Deutschlans 1939 mit einem Kindertransport nach Schottland. Er lebte zunächst bei Pflegefamilien, ehe er als junger Mann weiter in die USA auswanderte.

Die Eltern aber blieben in Deutschland. Sie wurden aus ihrer Wohnung gedrängt und 1941 in eine sogenannte „Judenwohnung“ in Berlin gezwungen. Am 18. Oktober 1941 deportiert man Georg und Charlotte mit dem ersten Transport aus Berlin in das Getto Litzmannstadt (Łódź). Von dort wurden sie am 10. Mai 1942 nach Chelmno verschleppt und unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Georg wurde 56 Jahre alt, Charlotte 44.

Die Söhne bauten im Exil neue Leben auf. Manfred nahm in Israel den Namen Yair Noam an, heiratete Anita Popper und bekam drei Kinder: Dan sowie die Zwillinge Gaby und Raphael. Über sich als „Überlebenden“ sprach er selten – eher über die Eltern, die ihn durch ihre Entscheidung gerettet hatten. Er starb 2021 im Alter von 98 Jahren in Israel.

Harry emigrierte nach seiner Zeit in Schottland weiter in die USA, heiratete Beatriz Villalba und bekam zwei Kinder: Eric und Sharon. Er starb 1997 in New York.

Die Nachkommen der Brüder leben heute in Israel und in den Vereinigten Staaten.

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